Rollender Stein, zermatschte Spieler…


Wir erinnern uns: Indiana Jones. Tempel des Todes. Was war das für eine coole Eingangsszene! Harrison Ford zur Glanzzeit seiner Karriere, mit Peitsche und Hut auf Schatzsuche im Dschungel. Ein vergessener Tempel, eklige Spinnen (die auf dem Rücken von keinem geringeren als Alfred Molina, damals in einer winzigen Nebenrolle, herumkrochen). Und natürlich … der gigantische rollende Stein, der alles plattwalzt, was in seine Nähe kommt!

Ein Beitrag aus der Reihe Kellergeflüster.

 Als ich während der Deutschen Cthulhu Convention eines Mittags mal nichts zu tun hatte, konnte ich zusehen, wie einige Leute ein verheißungsvolles Brettspiel auspackten. Darin das Layout eines typischen Indiana-Jones-Dschungeltempels, komplett mit Fallen, Lavafeldern, verborgenen Schätzen, einem reißenden Fluss (mit wackliger Holzbrücke), einem Raum mit sich nähernden Wänden und natürlich … einem gigantischen rollenden Stein.

 Neugierig geworden, nahm ich an der Spontan-Runde teil. Einige Stunden später hatte ich das Spiel gekauft.

 „Die Abenteurer – der Tempel des Chac“ heißt das Brettspiel, das von Pegasus aus dem Französischen übernommen wurde. Der Name klingt erstmal nicht sehr erbaulich; und der erste Eindruck weckt eher Erinnerungen an ein Kinderspiel. Das ist es aber keineswegs!

 Bis zu 6 Spieler schlüpfen in die Rollen von Abenteurern, die – wie soll es anderes sein? – in den Tempel eindringen, massig Schätze plündern und irgendwie rauskommen müssen, bevor der rollende Stein sie entweder niederwalzt oder den einzigen Ausgang vollstopft.

 Die Abenteurer unterscheidet nur kleine Details: Der eine kann sich etwas schneller bewegen, der nächste kann ganz gut Schlösser knacken oder schwimmen etc.

 Für jeden Raum, den die Abenteurer beschreiten, gibt es leicht veränderte Regeln. Auch das klingt erst einmal abschreckend, doch die Regeln sind allesamt ziemlich simpel, noch dazu einleuchtend. Ein wichtiger Faktor ist der Lastlevel. Denn je mehr Schätze eine Spielfigur schleppen muss, um so langsamer wird sie. Das bedeutet, dass ihre Wahrscheinlichkeit, Aktionspunkte zu bekommen, immer mehr sinkt. Für jede Runde würfelt der wechselnde Startspieler mit 5W6 – und zwar für alle Spieler. Je nach Belastung erhalten sie eine Aktion schon bei einer 2+ oder erst bei einer 4+ oder gar 5+. Ein bisschen Zufall spielt natürlich mit, aber sonst wäre alles allzu berechenbar und langweilig.

 Die Kugel setzt sich direkt nach Runde 1 in Bewegung. Auch für sie wird gewürfelt: Anfangs nur mit einem Würfel, dann mit zwei – bis sie schließlich mit 5 Würfeln ihre Maximalgeschwindigkeit erreicht hat. Jeweils bei einer 3+ rückt sie ein Feld vor… unaufhaltsam!

 In der Zwischenzeit haben die Abenteurer mit so manchen Gefahren zu kämpfen. Gleich im ersten Raum rücken die Wände zusammen und drohen, die Tempelschänder zu zerquetschen. Aber gerade hier gibts viele Schätze abzustauben, und man findet Hinweise auf spätere Fallen. Der Zufall steuert die Wand-Quetsche. Normalerweise kann man sich gute 3 Runden hier aufhalten. Doch bei einem Spiel wollte der Zufall, dass schon in Runde 2 die Wände zugehen – 3 Spieler hopps! (Die 2 Überlebenden fanden’s extrem komisch).

 Tote Spieler können allerdings wieder ins Spiel kommen. Denn wenn die Steinkugel ihren Weg fortsetzt, öffnet sie unbeabsichtigterweise Eingänge nach draußen. Hier bringen die zermatschten Spieler dann ihre Ersatzfiguren in Spiel. Große Chancen, das Spiel zu gewinnen, haben sie allerdings nicht mehr (sonst würde ja jeder absichtlich in Raum 1 sterben).

 In jedem Bereich des Tempels treffen die Spieler auf neue Gefahren – aber auch Schätze. Der Lavaraum beispielsweise verfügt über Unmengen Gold und Schmuck, dafür sind aber auch einige Felder mit Fallen bestückt. Man kann sie nur mit viel Glück umgehen, mit einer Spezialfähigkeit oder wenn man Hinweise über die Fallenfelder aus Raum 1 kennt.

 Es folgt dann noch ein reißender Fluss, in dem sich viele Schätze verbergen. Doch um aus dem Fluss wieder herauszukommen, muss man würfeln. Und je mehr Schätze man trägt, umso schwieriger das Vorhaben. Wer Pech hat, wird vom Wasserfall verschluckt! Über eine Holzbrücke geht’s über eine tiefe Schlucht. Die fünf Bretter der Brücke können aber brechen – wiederum abhängig vom Lastlevel. Ganz witzig: Man kann auch absichtlich auf der Brücke herumhampeln, um noch mehr Bretter zu vernichten (was die folgenden Spieler gar nicht lustig finden).

 Inzwischen habe ich das Spiel gut vier bis fünf Mal gespielt. Immer gab es Überraschungen. Meistens wurde der eine oder andere Spieler von der Kugel überrollt oder starb im Wasserfall oder in der Lava. Dass fast die ganze Gruppe im Wandraum zerquetscht wurde, war ein absoluter Höhepunkt. Die Entkommenen kamen aber auch nicht weit – so dass sich die Chancen wieder relativierten.

 Es gewinnt übrigens derjenige, der a) den Tempel lebend verlässt und b) die meisten Schatzpunkte zusammengeklaubt hat.

 Alles in allem ist der „Tempel des Chac“ ein nettes, manchmal heimtückisches, riskantes und hämisches Spiel. Die Spieldauer ist mit 45 Minuten relativ kurz; die Regeln hat man schnell drauf. Die Aufmachung ist sehr schön: Stabiles Brett, schöne Graphiken, nette Plastikteile wie Wände, Steinkugel oder Holzbrücke.

Bemalte Figuren - sehen chic aus, kosten aber fast so viel wie das Hauptspiel.

Für schlappe 25 Euro oder so kann man sich die Plastikfiguren sogar kunstvoll angemalt dazu kaufen. Muss aber wirklich nicht sein! Das Spiel kostet ca. 30 Euro.

 Pluspunkte:

 * Kurze Spieldauer, relativ einfache Regeln

* Schöne Aufmachung mit Gimmicks

* Abwechslungsreiches, oft lustiges Spiel

* Strategische Komponente: „Wo bewege ich mich wann wo hin?“ (abhängig vom wechselnden Startspieler) oder „Wieviele Schätze trage ich mit mir herum?“.

 Minuspunkte

 * Einige Regeldetails muss man sich leider durch das genaue Betrachtung der Beispiel-Fotos erarbeiten

* Spielplan ist immer gleich – dafür aber auch perfekt ausbalanciert

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2 Kommentare zu „Rollender Stein, zermatschte Spieler…“

  1. @Tom: Pegasus hatte die Minis jedenfalls auf der DCC dabei. So viel kann ich sagen. Da müsstest du vielleicht mal direkt bei Pegasus nachfragen.

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