Rückblick auf den „GRT … danach!“ in 2014


Die Vorbereitungen zum Gratisrollenspieltag … danach! am 18.04.2015 sind bereits im vollen Gange, deshalb schaut man auch noch mal gerne zurück auf die Ereignisse des vergangenen Jahres. Journalist und Kellerkind der ersten Stunde, Volker Thies, hat einen schönen Artikel geschrieben, der seinerzeit in der Nassauischen Neuen Presse veröffentlicht wurde. Da Volker sein Einverständnis gegeben hat, muss ich euch diesen Artikel auch nicht länger vorenthalten:

Einmal Zauberer, Privatdetektiv oder Raumschiffskapitän sein: Beim Gratis-Rollenspieltag wurde das in Limburg möglich. Rund 60 Besucher nahmen die Chance wahr, sich mit dieser besonderen Art von Gesellschaftsspiel zu befassen.

Limburg. „Zur Hülfe! Finstere Orks haben die schöne Wirtstochter Yolanthe in den Wald entführt!“ Während an einem Tisch noch beratschlagt wurde, wie die hübsche Maid zu befreien sei, ging es einige Meter weiter bereits heftig zur Sache: Horden wankender Untoter wollten besiegt werden. Andernorts konnte man den Lichtsäbel zur Hand nehmen und Jedi-Ritter werden, musste als Spion unauffällig seine finsteren Ziele verfolgen oder als General einer Zukunftswelt seine Roboter-Truppen strategisch geschickt einsetzen.

Diese Heldentaten und noch viele mehr spielten sich am Samstag allesamt in zwei Räumen des Limburger Kolpinghauses ab – allerdings nur in der Phantasie, unterstützt von Spielfiguren, Würfeln und Notizpapier. Denn es war Gratisrollenspieltag. Gastgeber war der Rollenspieler-Stammtisch „Kellerkinder“. Beim Gratis-Rollenspieltag, den viele ähnliche Vereine und Spielwarengeschäfte landesweit organisieren, geht es darum, das Nischen-Hobby Rollenspiel einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Doch was ist überhaupt ein „Rollenspiel“? „Es ist ein Erzählspiel, vielleicht vergleichbar mit Laien-Theater. Man schlüpft in eine Rolle und lebt sie aus, allerdings nicht auf der Bühne und in Verkleidung, sondern am Tisch mit Phantasie und Sprache“, versuchte Michael Wolf, einer der Organisatoren, eine knappe Definition. Zu der Phantasie und mehr oder weniger Schauspieltalent kommen Regelwerke in verschiedenen Varianten, die mit Zahlenwerten vorgeben, was genau die verkörperte Phantasiegestalt kann: Wie stark und wie schlau sie ist, wie gut sie kämpfen oder andere bezirzen, eine Kutsche steuern oder einen Computer bedienen kann. Außerdem gibt es meist Würfel, um das Zufallselement ins Spiel zu bringen, und Spielpläne oder Miniaturen, um das räumliche Vorstellungsvermögen zu unterstützen. Klassiker wie der Urahn „Dungeons & Dragons“ von 1974 oder „Das schwarze Auge“, das bekannteste in Deutschland entwickelte Rollenspielsystem, orientieren sich an Fantasy-Romanen, insbesondere am Klassiker „Der Herr der Ringe“. Über die Jahrzehnte sind aber auch Weltraum-, Grusel-, Fernost- und zahllose andere Szenarien dazu gekommen.

Am Spieltisch sieht das ganze im Prinzip wie eine Skat- oder Würfelrunde in der Kneipe oder im Wohnzimmer aus. „Es ist ein Zeitvertreib, wie für andere Fernsehschauen oder Computerspielen“, sagt Michael Wolf. „Die Stärke von Rollenspielen ist für mich aber das Soziale und Kooperative. Man sitzt, anders als bei Computerspielen, nicht im stillen Kämmerlein, sondern tauscht sich mit seinen Mitspielern aus und versucht gemeinsam ein Problem zu lösen.“

Fast 60 Spieler waren nach Limburg gekommen, einige auch aus Frankfurt, aus Marburg oder aus der Eifel. Absolute Rollenspiel-Neulinge waren nur wenige dabei, viel eher Menschen, die schon einmal mit dieser Art Spiele in Kontakt gekommen sind und nun andere Regelsysteme und Hintergründe ausprobieren wollten, Anschluss an größere Spielrunden suchten oder nach langer Pause mal wieder altbekannte Spiele erleben wollten.

So ging es etwa Thomas aus Heusenstamm, der mit seiner Spielgruppe in der Altersklasse um die 30 oder 40 herum nur noch selten einen Termin organisiert bekommt, und in Limburg zum ersten Mal seit rund zehn Jahren wieder den Klassiker „Das schwarze Auge“ spielte. „Nach den 40 bis 50 Stunden Arbeit in der Woche ist Rollenspiel eine tolle Sache, um am Wochenende einfach mal abzuschalten“, fasste er zusammen, was ihm bis heute daran Spaß macht. Nach Limburg hatte er seine Tochter Jasmin mitgebracht, mit elf Jahren die jüngste Spielerin des gesamten Treffens. Sie hatte viel Spaß mit der von ihr verkörperten Magierin. Mitspieler Thorsten, der bislang vor allem Computer-Rollenspiele kannte, war begeistert vom Austausch mit den anderen Spielern und der großen Handlungsfreiheit im Vergleich zu den elektronischen Spielen. Ähnlich bewertete Nico, ebenfalls einer der erfahreneren Rollenspieler, die Stärken von Tisch-Rollenspielen: „Es lässt sich sehr viel aus der Dynamik mit den anderen Spielern heraus entwickeln. Das ist bei kaum einem anderen Spiel so möglich.“

Der Limburger Rollenspieler-Stammtisch „Kellerkinder“ trifft sich einmal im Monat und ist auch für Teilnehmer aus der erweiterten Region offen. Termine und weitere Informationen gibt es unter https://rpgstammtisch.wordpress.com.

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